
Wie geht das mit dem mutig sein? Kennst Du das? Manchmal wünscht man sich wirklich ein bisschen mutiger zu sein. Oder ärgert sich hinterher und fragt sich: Warum habe ich das gerade eigentlich nicht gemacht? Warum hat mir dafür der Mut gefehlt?
Vor kurzem ging es mir so: Die Band „The Script“ kommt im Dezember in die Stadt. Ein paar Freunde, die ich bisher angesprochen habe, haben entweder keine Zeit oder sind nicht so sehr begeistert. Das waren also nicht die besten Voraussetzungen für einen gemeinsamen Konzert Besuch. Daher habe ich mir bisher kein Ticket dafür gekauft.
Und ich überlege jetzt: Traue ich mich, einfach die Karte zu kaufen? Bin ich mutig und gehe alleine aufs Konzert?
Was hält uns davon ab, mutig zu sein?
Wir alle bewundern mutige Personen. Sie gehen scheinbar furchtlos und ohne Zweifel neue Projekte und ungewisse Situationen an, treffen mutig Entscheidungen oder sprechen Dinge direkt an und aus. Und man selbst fragt sich, warum ist das bei mir nicht so? Warum kann ich nicht auch öfters mutig sein?
Als Menschen haben wir uns in unserer Komfortzone eingerichtet, unseren Alltag mit Routinen und regelmäßigen Abläufen organisiert. Die Dinge wiederholen sich, man hat sich gut arrangiert, es fühlt sich entspannt und gewohnt an. Dabei werden Entscheidungen ohne Stress und Unsicherheit getroffen. Man geht zur Arbeit, die U-Bahn bringt einen meist zuverlässig hin und zurück, 2 Mal abends gibt es geplante Aktivitäten, einmal zum Sport, am Wochenende zum Lieblings-Italiener und Freund und Familie treffen. Die Komfortzone ist entspannt und fühlt sich wohlig und gemütlich an.
Die Grenzen der eigenen Komfortzone sind dabei individuell von Person zu Person sehr unterschiedlich und bestimmen wir selbst. Was sich für die eine Person als gewagter Schritt anfühlt, kann für jemand anderen entspannt in der Wohlfühlzone liegen.
Mutig zu sein bedeutet eine aktive Handlung, bei dem die Komfortzone verlassen werden muss, um etwas Ungewohntes oder Neues anzugehen. Dabei ist der Schritt ins Unbekannte und Neue verbunden mit der Unsicherheit bezüglich des Ablaufes oder Endergebnisses. Dieser Unsicherheit versuchen wir Menschen gewöhnlich aus dem Weg zu gehen oder gar ganz zu vermeiden. Die Angst vor dem Ergebnis oder einem Scheitern, die Ungewissheit bezüglich der Reaktion von anderen und was sie von uns denken könnten, die Angst vor Ablehnung oder gar Allein sein, hält uns meist davon ab mutig zu sein und mutig Schritte ins Unbekannte zu unternehmen.
Was bedeutet „mutig sein“ für mich?
Für mich persönlich, bedeutet Mut, sich etwas zu trauen – dass ich etwas Unbekannte wage, dass ich etwas angehe, was mich deutliche Überwindung kostet. Auch mal heldenhaft zu sein.
Ich sehe es als große Fähigkeit an trotz Unsicherheit oder Bedenken die Angst zu überwinden und zu agieren. Trotz ungewissem Ausgang etwas zu tun. Ich handle mutig, wenn ich mich nicht entspannt in meiner Komfortzone bewege, sondern einen neuen Schritt wage, obwohl ich mir nicht 100% sicher bin, dass es sich so entwickelt wie ich es mir wünsche oder vorstelle. Trotz aufkommender Bedenken, was andere von mir denken.
Ich versuche dabei zu verstehen: Ängste oder Bedenken sind völlig normal und dürfen auch da sein. Auch die Personen, die nach außen stets souverän wirken, die scheinbar mühelos mutig sind, haben Bedenken und Ängste. Und ich versuche mir immer wieder klar zu machen: Die Komfortzone ist bei jedem anders, ein Vergleich der eigenen Grenzen mit derer anderer Personen, ist also schwierig.
Mutig sein bedeutet für mich nicht, gleich große Heldentaten zu begehen. Mutig sein passiert für mich im Kleinen, in den Schritten und Taten, die einen aus der Komfortzone führen.
Und was bedeutet „mutig sein“ für dich persönlich?
Warum es sich lohnt mutig zu sein:
Wann warst du zuletzt mutig und wie hat sich das angefühlt? Was war ausschlaggebend, dass du dich getraut hast? Hast du etwas Neues gemacht, dich bei einem neuen Hobby angemeldet? Oder hast du vielleicht im letzten Meeting deine Meinung kund getan, ohne dass du dir sicher warst, dass alle dir zustimmen? Hast du dich vielleicht für eine Präsentation gemeldet?
Oder war es wie bei mir, bist du mutig und kaufst das Ticket und gehst alleine auf das Konzert?
Mut und mutig sein bringt Wachstum und Weiterentwicklung. Die Komfortzone zu verlassen und sich Neuem zu stellen, fördert das Lernen und hilft den eigenen Horizont zu erweitern. Mutig sein bedeutet sich bietende Chancen zu ergreifen. Durch neue Erfahrungen wird die persönliche Entwicklung gefördert und neue Türen öffnen sich.

Man lernt mit Herausforderungen besser umzugehen, was im täglichen Umgang mit der Welt voller Veränderung und Herausforderungen hilfreich ist. Man lernt dabei über sich hinaus zu wachsen. Mutig sein und die Komfortzone verlassen hilft, flexibel zu bleiben und aktiv das eigenen Leben zu gestalten, im Fahrersitz des eigenen Lebens zu sein, Träume zu verwirklichen und damit die Lebensqualität zu steigern.
Und gleichzeitig vergrößert sich bei jedem Mal mutig sein, die eigene Komfortzone ein klein wenig und die eigenen Grenzen werden verschoben. Es lohnt sich also!
5 Ideen für ein kleines bisschen mehr Mut!

-1- Gehe das Ganze in kleinen Schritten an.
Es muss nicht gleich der große Schritt sein. Mach dir die kleinen Herausforderungen bewusst, die kleinen Schritte, bei denen du gerne mutig voranschreiten möchtest und taste dich so langsam ans „mutig sein“ heran. Kleinere Schritte bringen geringere Unsicherheiten mit sich und benötigen weniger Überwindung. Teste ohne großes Risiko die Grenzen deiner Komfortzone.
Ein paar Ideen dafür können sein:
- Trage ein ausgefallenes oder auffallendes Kleidungsstück, das du schon immer mal anziehen wolltest, und gehe mutig damit ins Büro oder ins Restaurant.
- Grüße jemanden auf der Straße und lächle die Person an.
- Melde dich für ein neues Hobby an, sei mutig den Sport auszuprobieren oder beim Chor anzumelden.
- Traue dich, dich alleine ins Café zu setzen und ein Buch zu lesen.
- Sei mutig und sage „ja“ wenn dich jemand zu einer Aktivität fragt, anstatt auf deiner Couch zu bleiben.
-2- Mach dir einen Plan und übe.
Mutig sein kann trainiert werden, genauso wie regelmäßige Liegestütze oder Lauftraining. Mutig sein erweitert die Grenzen deiner Komfortzone jedes Mal ein kleines bisschen. Plane, bei welchen Gelegenheiten du gerne mutiger sein würdest.
- Reflektiere aktuelle Situationen, bei denen es dir nicht gelungen ist, mutig zu sein und überlege, wie du beim nächsten Mal mutig agieren möchtest.
- Mach dir kleine Notizen, schreibe dir deine Vorhaben auf.
Etwas mehr mutig zu sein bedeutet nicht, dass man ungeplant oder unreflektiert agiert oder nur spontane Aktionen unternimmt. Ein guter Übungsplan und oder aktives Evaluieren kann hilfreich sein, um bewusst Themen anzugehen, solange „mutig sein“ auch auf der Pro/Kontra Liste auftaucht.
-3- Sei dein eigener Mut-Macher!
Mach dir deine eigenen Fähigkeiten und deinen Wert bewusst. Du hast viele Talente und Eigenschaften, die dich unterstützen, die dich liebenswert machen und die dir Stärke geben. Sei dir dessen bewusst und besinne dich darauf, wenn neue Themen anstehen oder Herausforderungen anklopfen.
Mutig sein bedeutet nicht, keine Angst oder Bedenken zu haben. Mache dir bewusst, dass Bedenken ok sind, dass ein Schritt aus der Komfortzone immer ein Schritt in die Unsicherheit bedeutet.
- Motiviere dich mit kleinen Erinnerungen, klebe dir Post-Its oder kleine Notizen, als Mut-Mach-Motivatoren.
- Notiere Erfahrungen und Erkenntnisse zum Beispiel in dein eigenes Mut-Mach-Büchlein oder integriere es in deine Journaling Routine.
-4- Feier deine Erfolge! Auch kleine!
Reflektiere und nehme bewusst war, wenn du mutig an eine Situation heran gegangen bist und feiere dies ganz bewusst. Belohne dich für deinen Mut. Genieße es, wenn es geklappt hat und dein Mut positive Ergebnisse hervorgebracht hat. Schätze die neue Erfahrung und dein persönliches Wachstum.
Nimm dir Zeit, reflektiere und überlege dir, welche aktuellen Situationen du mutig angegangen bist und notiere dir ganz bewusst diese kleinen mutigen Schritte.

-5- Bleibe authentisch.
Mutig sein bedeutet nicht, seine Werte und Überzeugungen über Bord zu werfen. Die Schritte und Handlungen sollen zu dir passen, im Rahmen deiner Werte und Überzeugungen liegen, und zu dir passen. Sei mutig und bleibe dabei dir selbst treu und authentisch.
Warum wir nicht immer mutig sein müssen.
Und bei allem Mut ist es auch beruhigend zu wissen: Wir müssen nicht ständig mutig sein. Auch Superhelden sind nicht sieben Tage die Woche, 365 Tage im Jahr, Superhelden und ruhen sich dazwischen aus und erholen sich in der Komfortzone.
Um mit dem Alltag umzugehen und jeden Tag zu bewältigen, benötigt jeder Mensch ein gewisses Grad an Normalität und Routine, sind Gewohnheiten und Rituale wichtig. Daher braucht es Dinge, die einfach von der Hand gehen, ohne Mühe und ohne Adrenalin, ohne sich ständig überwinden zu müssen und mutig zu sein.
Deshalb ein Hoch auf die Komfortzone, in der wir uns sicher fühlen, in der man sich ausruhen kann von den Herausforderungen und Unsicherheiten, ein Ort zum Regenerieren und Erholen. Die Komfortzone als Heimathafen und Grundlage für alle weitern Herausforderungen und Abenteuer.

Somit ist es wichtig, eine gute Balance zu finden, zwischen mutig Neues anzugehen und in der Komfortzone zu verweilen und diese zu genießen. Das nimmt auch den Druck, da wir nicht ständig mutig sein müssen.
Und wo wollt ihr nun mutig sein? Ich habe nach dem Verfassen des Artikels das Ticket gekauft und gehe mutig im Dezember alleine aufs Konzert.
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